Ganzheitliche Tierarztpraxis

 

IMPFUNGEN

 

Gängige Impfpraxis und aktuelle Entwicklungen.

 

 

Kaum ein Thema wird in der Tiermedizin so heiß diskutiert wie Impfungen.

Wie impft man? Was impft man? Wann impft man?

 

Deshalb soll dies hier auch kein Meinungsartikel (oder fast keiner) zum Thema werden sondern nur eine kurze Zusammenfassung von Fakten und aktuellen Entwicklungen/Erkenntnissen der immunologischen Forschung.

 

Genau wie beim Mensch gibt es auch für Tiere eine ständige Impfkomission. Deren Empfehlungen kann man über Google finden. Gleiches gilt für die Impfempfehlungen der Uni-München und der Welt-Kleintier Association (weltweiter Zusammenschluß der Kleintiermediziner).

Das Problem? Deren Empfehlungen weichen z.T. weit voneinander ab.

 

Deshalb hier ganz kurz und hoffentlich leicht verständlich, ein paar kurze Infos, die auch großen Einfluß in meiner Praxis haben.

 

1. Ein Welpe ist bereits im letzten Drittel der Trächtigkeit (also noch im Bauch der Mutter) immunkompetent. Das heißt sein Immunsystem ist bereits entwickelt und er setzt sich mit der Umwelt auseinander. Er übernimmt schon in dieser Zeit – und dann noch verstärkt während des Säugens – die Abwehrstoffe der Mutter. Wenn diese geimpft ist – oder aus anderen Gründen über einen guten Antikörper-Titer hat, dann ist ein Welpe nach der Geburt automatisch geschützt und zwar noch bis zu 3 (eventuell auch länger) Wochen NACHDEM er aufgehört zu saufen. So lange dauert es bis sich die sog. Maternellen Antikörper abgebaut haben.

 

2. In der Regel wird ein Welpe zum ersten mal mit 8 (acht) Wochen geimpft. Da er ja schon über die Mutter geschützt war, ist das nun die erste aktive Immunisierung, d.h. sein eigenes Immunsystem setzt sich mit dieser Impfung auseinander. Nach dieser ersten Impfung ist der Welpe dann erst einmal ausreichend geschützt. Früher machte man die zweite Impfung im Abstand von 4 Wochen (auch heute noch oft). Nach neuesten immunologischen Erkenntnissen ist es allerdings noch besser etwa 6-8 Wochen zu warten (dann ist der Welpe 14-16 Wochen alt), um dann die 2. Impfung zu verabreichen. In der Zeit zwischen der 1. und 2. Impfung ist der Welpe bereits gut gegen Infektionen geschützt. Es gibt keinen Grund einen Welpen in dieser Zeit von anderen Hunden fern zu halten. Mal ganz abgesehen davon, dass es eine wichtige Zeit im Leben eines Hundes ist und er gerade dann sehr viele Eindrücke aufnehmen soll um später entspannt leben zu können.

 

3. Es ist sinnvoll nicht alle Impfungen auf ein Mal zu machen, damit sich das Immunsystem besser mit den einzelnen Erregern auseinander setzten kann. Bei mir in der Praxis wird SHP (Staupe/Hepatitis/Parvovirose) und Tollwut niemals zusammen verabreicht. Leptospirose nur nach Bedarf. Zwingerhusten impfe ich nicht, denn er ist nicht lebensbedrohlich und im Bedarfsfall i.d.R. gut behandelbar.

 

4. Die Tollwut Impfung sollte man möglichst erst nach dem Zahnwechsel impfen, wenn sie gebraucht wird. In der Regel ist der Zahnwechsel im Alter von 6 Monaten abgeschlossen. Unbedingt gebraucht wird die Tollwut Impfung beim Grenzübertritt und in manchen Hutas/Hundeschulen.

 

5. Lt. Beipackzettel der Nobivac SHP ist eine 1xige Impfung ausreichend, wenn der Welpe älter als 12 Wochen ist.

 

6. Die Impfungen gegen Borreliose und Leishmaniose werden von der Uni-München nicht empfohlen. Von mir auch nicht.

 

7. Es ist möglich von SHP einen Titer-Schnelltest zu machen. Dieser ist wesentlich aussagekräftiger als eine Impfung, denn er beweist, dass der Körper über Antikörper verfügt. Eine Impfung kann das nicht garantieren.

 

8. Nach Aussage führender Immunologen ist die Immunität bei SHP sieben Jahre oder länger gewährleistet. Manche sprechen von lebenslang. Die Hersteller geben einen 3jährigen Rhythmus vor.

 

9. Tollwut hält mind. 3 Jahre (sollte auch so geimpft werden). Je nach Impfstoff wird dieser 3jährige Rhythmus von Anfang an gewährt. Darauf sollte man bei der Welpen-Impfung unbedingt achten.

 

10. Leptospirose wird von manchen Quellen als Core-Vaccine („muss“-Impfung) von anderen als fakultative Vaccine („kann“-Impfung) bezeichnet. Fakt ist, dass mir bisher keiner sagen konnte, wie lange sie denn nun tatsächlich wirkt. Die Aussagen gehen von 3 Monaten bis 3 Jahren. Der Hersteller gibt 1 Jahr, die Uni München weißt darauf hin, lieber im Frühjahr zu impfen (die Leptospiren sind eher in der warmen Jahreszeit ein Problem) um einen besseren Schutz zu gewährleisten. Leptospiren sind Bakterien, deshalb kann der Körper nicht den gleichen Langzeitimpfschutz aufbauen wie bei Viren. Dazu kommen sie endemisch (regional) vor oder auch eben nicht. Darauf kann man ebenfalls achten.

 

 

Ich wünsche Euch/Ihnen allen eine gute Impfentscheidung und Euren/Ihren Hunden viel Gesundheit.